Königsforst Ultra 2025

16.03.2025 Königsforst Ultra 2025


 Prolog:

Letzte Woche fragte mich mein Nachbar, ob ich am auch Königsforst Marathon teilnehme. Nach dem Studium der Ausschreibung habe ich gesehen, dass man auch einen Ultra mit 63,3km laufen konnte. So habe ich meinen ultra-erfahrenen Laufbuddy Torsten angehauen, ob wir nicht zusammen da starten. Das macht doch bestimmt Spaß… (… sagte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn) Torsten, der in einem Monat einen 60km Ultratrail laufen möchte, meinte das könnte eine gute Vorbereitung sein, und so meldete ich uns kurzfristig an…

Am Morgen vor dem Rennen, war ich mir unschlüssig, was ich anziehen soll. Das Thermometer konnte sich noch nicht entscheiden, ob es über oder unter dem Gefrierpunkt anzeigen soll. Es sollte aber die Sonne rauskommen. Zweistellige Temperaturen waren allerdings nicht zu erwarten. So ging es also mit langer Hose, drei Lagen am Oberkörper, Mütze, Schal und Handschuhen nach Bensberg. Den Rucksack hatte ich mit Zehn Gels und Powerade beladen, dazu noch Wechselklamotten und ne Windjacke. Kurz vor der Autobahnausfahrt rief mich Torsten an. Er war 500m vor mir, und so rollten wir gemeinsam auf den Supermarktparkplatz. Der war „nur“ einen Kilometer vom Start weg (Dieses „nur“ sollte sich später noch als Problem rausstellen). Das Rennen war super organisiert. Wir holten die Startunterlagen ab und machten uns langsam für den Start fertig. Es trudelten mit Ines, Julia und Melanie noch weitere BTV Starter sowie mein Nachbar Michael ein. Nachdem wir unsere Taschen abgeben hatten, reihten wir uns bei den anderen Verrückten ein. „Starterrekord mit 220 Ultra-Teilnehmern“ schallte es aus den Boxen. Mögen die Spiele beginnen….

 Des Dramas erster Teil:

Pünktlich um neun Uhr viel der Startschuss. Torsten und ich hatten uns ganz hinten eingereiht und es ging locker los den ersten Kilometer durch Bensberg und dann in den Königsforst. Die Sonne stand lachend am Himmel. Auf den ersten Kilometern haben wir einige Leute überholt. Es lief wirklich entspannt. Nach vier Kilometern war ich dann zum ersten Mal auf dem Monte Troodelöh, Kölns höchster Erhebung. Von dort ging es runter Richtung Refrath und zu ersten Verpflegungsstelle. Torsten lies es dort etwas langsamer angehen. Der Vorteil bei dem Tempo, was man bei Ultrawettkämpfen läuft, ist dass man sich gut dabei unterhalten kann. So gings mal wieder um das mittelmäßige Spiel des FC gestern. Der nächste Verpflegungspunkt kam und wir mussten beide erst mal austreten. (So ist das mit dem Alter und der Blase…) Erleichtert vielen die nächsten Kilometer wieder sehr leicht und es ging nach 14 Kilometern zum ersten Mal die lange Steigung zum Dach der Runde hoch. Wir waren aber noch recht frisch und oben gabs den dritten Verpflegungspunkt. Von da lief es reicht wellig über die alte Bahntrasse zurück zum Start / Ziel Bereich. Torsten meinte er müsse etwas rausnehmen, sein Knie funktioniert nicht optimal. So sind wir etwas ruhiger die letzten Kilometer gelaufen. Kurz vor dem Ende der Runde meinte er aber, dass es nicht mehr funktioniert. Er muss rausgehen. (Aufgrund der Schmerzen später am Abend, war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung). Von jetzt an war ich also allein.

 Des Dramas zweiter Teil:

Die zweite Runde lief ich in demselben Tempo an, wie die erste. Um mich herum war sehr wenig los. Kurz vor den Monte Troodelöh stand zum ersten Mal mein Fanclub (in Form von Tante und Onkel) und hat mich angefeuert. Unüblich zu meinen bisherigen Wettkämpfen, wo es um jede Sekunde geht, habe ich erst mal angehalten und alle standesgemäß begrüßt. Danach ging es mit frischem Mut in die Steigung und wieder runter zum ersten Verpflegungspunkt. Danach weiter zu Wendemarke bei der Halbzeit und zwischendurch immer wieder mein Fanclub, der mit Fahrrädern schnell zu weiteren Stellen fuhr. Ab jetzt kamen die schnellen Halbmarathoner, die nur eine Runde laufen, und überholten mich. So war zumindest wieder etwas mehr auf der Strecke los. Bei der nächsten Cheering-Zone wurde der Fan-Club größer. Mein Cousin mit Freundin und Hund waren jetzt auch zur Stelle.

Von nun an fing ich an, die langsameren Marathoner, die auf ihrer ersten Runde waren, einzuholen. Es ging dann zum zweiten Mal den langen Anstieg zum höchsten Punkt der Strecke. Das waren dann die Kilometer 35-37 und ich merkte langsam, dass das heute noch ganz schön anstrengend werden kann. Durch die Halbmarathoner von hinten, und die Mrathoner von vorne wurde es jetzt zunehmend voller. Die Bahntrasse nach Bensberg war etwas zäher als beim ersten Mal. Beim Ende der Runde liefen die Halbmarathoner rechts in den Zielkanal, ich schleppte mich die Steigung hoch und bog links ab auf die nächste Runde.

 Des Dramas dritter Teil:

Auf der dritten Runde wurde es wieder leerer. Es waren nur noch die Marathonis und Ultras auf der Strecke. Nach den anfänglichen Kilometern, meist leicht bergab ging es zum dritten Mal auf den Monte Troodelöh. War der in den ersten Runden nicht flacher? Die Sonne knallte von vorne, langsames Tempo, mit wurde etwas warm. Die Beine meldeten sich dezent und meinten, dass sie keinen Bock mehr haben. 45km reicht doch für nen Sonntagsspaziergang. Ich erreichte den Gipfel und dachte mir, jetzt geht’s erst mal runter. Aber ein „flow“ wollte sich nicht mehr einstellen. Die Pace entsprach auch nicht der gefühlten Anstrengung. Aber ich lief noch. Kurz vor der ersten Verpflegungsstelle stand wieder mein Fanclub. Nochmal gut aussehen und so tun, als ob alles tutti ist. Ich hatte mit der Weile so großen Durst, dass ich meine Vorräte geleert hatte. Zum Glück kam der erste Verpflegungspunkt. Erst mal angehalten und die Flasch aufgefüllt. Ein Gel genommen. Die Helfer waren die ganze Zeit TOP. „Willst du einen Becher Cola gegen deine leere Gelverpackung tauschen?“ Vielen Dank an der Stelle nochmal, ihr wart alle Super. Also wieder los. An der nächsten Ecke wieder (und zum letzten Mal) die Supporter. Nochmal Brust raus, lächeln, Puh. Es folgte die 50km Marke.

„Nur“ noch 13km. Die Beine machten sich immer mehr bemerkbar. Einfach durchlaufen, egal wie schnell. Halbzeit der dritten Runde und nochmal verpflegen. Meine Flasche war wieder leer, jetzt mit Cola vollmachen. Wieder ein Gel, ekelhaft, aber ohne komme ich wohl nicht an. Wieder weiterschleppen. Ich nahm mir vor, bis zum langen Anstieg durchzuziehen und dort ein paar Meter zu gehen. Aber bis dahin waren noch 4km…. Ich bog um eine Ecke und es kam Wind von vorne. Da merkte ich wieder, dass die Temperaturen einstellig waren und ich war froh darüber, was ich alles angezogen hatte. Am Fuße des Anstiegs standen einige Helfer und Zuschauer und feuerten alle Teilnehmer ausnahmslos an. Im steilen Teil konnte ich endlich ein paar Schritte gehen. Trotz der Steigung konnte ich mich etwas erholen. Als  es flacher wurde trabte ich wieder an, und leerte mal wieder meine Flasche. Letzter Verpflegungspunkt, wieder auffüllen und weiter. Noch 5 Kilometer. Es wurde wieder ein wenig voller, da ich mehr in das Marathonfeld auflief. Das Überholen gab mir wieder etwas Motivation. Kilometer 60. Ich bin noch nie soweit gelaufen. Nochmal ein Schluck Cola. Es geht aus dem Wald raus auf Asphalt. Zuerst etwas runter, die Beine sind kurz vorm Kollabieren. Der Druck beim Runterlaufen ist immens. Rechtskurve und wieder hoch. Am Straßenrand super viele Zuschauer die einen den Berg hochbrüllen. Ich pfeife auf dem letzten Loch. Endlich darf ich auch rechts abbiegen in den Zielkanal. Noch 50 Meter. Ich habe es echt geschafft. Es geht aber auch kein Meter mehr und ich sinke auf den Boden und mache die Augen zu…

 Epilog:

Helfer bringen mich in den Verpflegungsbereich. Ich kann mich kaum noch bewegen. Auf einer Bank in der Sonne sitzend zittern meine Beine, als wenn sie noch auf der Strecke wären. Ich bin voll zufrieden aber komplett im Eimer. Wie soll ich jetzt bitte noch zum Auto kommen. Das steht ja „nur“ einen Kilometer weit weg. Aktuell weis ich nicht mal wie ich die drei Meter zum Mülleimer komme. Michael kommt von der Seite und holt mir meine trockenen Sachen. Meine Hose klebt mit kristallisiertem Salz an meinen Beinen. Trockene Klamotten tun jetzt echt gut. Nach zwei Cola, zwei Dextro, 5 Orangen und einer Gemüsebrühe raffen wir uns auf zum Auto. Durch die Aula zur Strasse. Hier wartet der Endgegner, eine Treppe runter zur Straße. Die war mir heute morgen gar nicht aufgefallen. Jetzt quälen sich mehrere Teilnehmer in Zeitlupe und am-Geländer-festkrallend die Stufen hinunter. Selbst der Bordstein wird zur Herausforderung. Nach einiger Zeit kommen wir am Auto an und es geht nach Hause. Krasse Scheisse. Wer macht sowas freiwillig? Ach ja, ich. 

 

 

So far…
#keeponrunning