Königsforst Ultra 2025

16.03.2025 Königsforst Ultra 2025


 Prolog:

Letzte Woche fragte mich mein Nachbar, ob ich am auch Königsforst Marathon teilnehme. Nach dem Studium der Ausschreibung habe ich gesehen, dass man auch einen Ultra mit 63,3km laufen konnte. So habe ich meinen ultra-erfahrenen Laufbuddy Torsten angehauen, ob wir nicht zusammen da starten. Das macht doch bestimmt Spaß… (… sagte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn) Torsten, der in einem Monat einen 60km Ultratrail laufen möchte, meinte das könnte eine gute Vorbereitung sein, und so meldete ich uns kurzfristig an…

Am Morgen vor dem Rennen, war ich mir unschlüssig, was ich anziehen soll. Das Thermometer konnte sich noch nicht entscheiden, ob es über oder unter dem Gefrierpunkt anzeigen soll. Es sollte aber die Sonne rauskommen. Zweistellige Temperaturen waren allerdings nicht zu erwarten. So ging es also mit langer Hose, drei Lagen am Oberkörper, Mütze, Schal und Handschuhen nach Bensberg. Den Rucksack hatte ich mit Zehn Gels und Powerade beladen, dazu noch Wechselklamotten und ne Windjacke. Kurz vor der Autobahnausfahrt rief mich Torsten an. Er war 500m vor mir, und so rollten wir gemeinsam auf den Supermarktparkplatz. Der war „nur“ einen Kilometer vom Start weg (Dieses „nur“ sollte sich später noch als Problem rausstellen). Das Rennen war super organisiert. Wir holten die Startunterlagen ab und machten uns langsam für den Start fertig. Es trudelten mit Ines, Julia und Melanie noch weitere BTV Starter sowie mein Nachbar Michael ein. Nachdem wir unsere Taschen abgeben hatten, reihten wir uns bei den anderen Verrückten ein. „Starterrekord mit 220 Ultra-Teilnehmern“ schallte es aus den Boxen. Mögen die Spiele beginnen….

 Des Dramas erster Teil:

Pünktlich um neun Uhr viel der Startschuss. Torsten und ich hatten uns ganz hinten eingereiht und es ging locker los den ersten Kilometer durch Bensberg und dann in den Königsforst. Die Sonne stand lachend am Himmel. Auf den ersten Kilometern haben wir einige Leute überholt. Es lief wirklich entspannt. Nach vier Kilometern war ich dann zum ersten Mal auf dem Monte Troodelöh, Kölns höchster Erhebung. Von dort ging es runter Richtung Refrath und zu ersten Verpflegungsstelle. Torsten lies es dort etwas langsamer angehen. Der Vorteil bei dem Tempo, was man bei Ultrawettkämpfen läuft, ist dass man sich gut dabei unterhalten kann. So gings mal wieder um das mittelmäßige Spiel des FC gestern. Der nächste Verpflegungspunkt kam und wir mussten beide erst mal austreten. (So ist das mit dem Alter und der Blase…) Erleichtert vielen die nächsten Kilometer wieder sehr leicht und es ging nach 14 Kilometern zum ersten Mal die lange Steigung zum Dach der Runde hoch. Wir waren aber noch recht frisch und oben gabs den dritten Verpflegungspunkt. Von da lief es reicht wellig über die alte Bahntrasse zurück zum Start / Ziel Bereich. Torsten meinte er müsse etwas rausnehmen, sein Knie funktioniert nicht optimal. So sind wir etwas ruhiger die letzten Kilometer gelaufen. Kurz vor dem Ende der Runde meinte er aber, dass es nicht mehr funktioniert. Er muss rausgehen. (Aufgrund der Schmerzen später am Abend, war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung). Von jetzt an war ich also allein.

 Des Dramas zweiter Teil:

Die zweite Runde lief ich in demselben Tempo an, wie die erste. Um mich herum war sehr wenig los. Kurz vor den Monte Troodelöh stand zum ersten Mal mein Fanclub (in Form von Tante und Onkel) und hat mich angefeuert. Unüblich zu meinen bisherigen Wettkämpfen, wo es um jede Sekunde geht, habe ich erst mal angehalten und alle standesgemäß begrüßt. Danach ging es mit frischem Mut in die Steigung und wieder runter zum ersten Verpflegungspunkt. Danach weiter zu Wendemarke bei der Halbzeit und zwischendurch immer wieder mein Fanclub, der mit Fahrrädern schnell zu weiteren Stellen fuhr. Ab jetzt kamen die schnellen Halbmarathoner, die nur eine Runde laufen, und überholten mich. So war zumindest wieder etwas mehr auf der Strecke los. Bei der nächsten Cheering-Zone wurde der Fan-Club größer. Mein Cousin mit Freundin und Hund waren jetzt auch zur Stelle.

Von nun an fing ich an, die langsameren Marathoner, die auf ihrer ersten Runde waren, einzuholen. Es ging dann zum zweiten Mal den langen Anstieg zum höchsten Punkt der Strecke. Das waren dann die Kilometer 35-37 und ich merkte langsam, dass das heute noch ganz schön anstrengend werden kann. Durch die Halbmarathoner von hinten, und die Mrathoner von vorne wurde es jetzt zunehmend voller. Die Bahntrasse nach Bensberg war etwas zäher als beim ersten Mal. Beim Ende der Runde liefen die Halbmarathoner rechts in den Zielkanal, ich schleppte mich die Steigung hoch und bog links ab auf die nächste Runde.

 Des Dramas dritter Teil:

Auf der dritten Runde wurde es wieder leerer. Es waren nur noch die Marathonis und Ultras auf der Strecke. Nach den anfänglichen Kilometern, meist leicht bergab ging es zum dritten Mal auf den Monte Troodelöh. War der in den ersten Runden nicht flacher? Die Sonne knallte von vorne, langsames Tempo, mit wurde etwas warm. Die Beine meldeten sich dezent und meinten, dass sie keinen Bock mehr haben. 45km reicht doch für nen Sonntagsspaziergang. Ich erreichte den Gipfel und dachte mir, jetzt geht’s erst mal runter. Aber ein „flow“ wollte sich nicht mehr einstellen. Die Pace entsprach auch nicht der gefühlten Anstrengung. Aber ich lief noch. Kurz vor der ersten Verpflegungsstelle stand wieder mein Fanclub. Nochmal gut aussehen und so tun, als ob alles tutti ist. Ich hatte mit der Weile so großen Durst, dass ich meine Vorräte geleert hatte. Zum Glück kam der erste Verpflegungspunkt. Erst mal angehalten und die Flasch aufgefüllt. Ein Gel genommen. Die Helfer waren die ganze Zeit TOP. „Willst du einen Becher Cola gegen deine leere Gelverpackung tauschen?“ Vielen Dank an der Stelle nochmal, ihr wart alle Super. Also wieder los. An der nächsten Ecke wieder (und zum letzten Mal) die Supporter. Nochmal Brust raus, lächeln, Puh. Es folgte die 50km Marke.

„Nur“ noch 13km. Die Beine machten sich immer mehr bemerkbar. Einfach durchlaufen, egal wie schnell. Halbzeit der dritten Runde und nochmal verpflegen. Meine Flasche war wieder leer, jetzt mit Cola vollmachen. Wieder ein Gel, ekelhaft, aber ohne komme ich wohl nicht an. Wieder weiterschleppen. Ich nahm mir vor, bis zum langen Anstieg durchzuziehen und dort ein paar Meter zu gehen. Aber bis dahin waren noch 4km…. Ich bog um eine Ecke und es kam Wind von vorne. Da merkte ich wieder, dass die Temperaturen einstellig waren und ich war froh darüber, was ich alles angezogen hatte. Am Fuße des Anstiegs standen einige Helfer und Zuschauer und feuerten alle Teilnehmer ausnahmslos an. Im steilen Teil konnte ich endlich ein paar Schritte gehen. Trotz der Steigung konnte ich mich etwas erholen. Als  es flacher wurde trabte ich wieder an, und leerte mal wieder meine Flasche. Letzter Verpflegungspunkt, wieder auffüllen und weiter. Noch 5 Kilometer. Es wurde wieder ein wenig voller, da ich mehr in das Marathonfeld auflief. Das Überholen gab mir wieder etwas Motivation. Kilometer 60. Ich bin noch nie soweit gelaufen. Nochmal ein Schluck Cola. Es geht aus dem Wald raus auf Asphalt. Zuerst etwas runter, die Beine sind kurz vorm Kollabieren. Der Druck beim Runterlaufen ist immens. Rechtskurve und wieder hoch. Am Straßenrand super viele Zuschauer die einen den Berg hochbrüllen. Ich pfeife auf dem letzten Loch. Endlich darf ich auch rechts abbiegen in den Zielkanal. Noch 50 Meter. Ich habe es echt geschafft. Es geht aber auch kein Meter mehr und ich sinke auf den Boden und mache die Augen zu…

 Epilog:

Helfer bringen mich in den Verpflegungsbereich. Ich kann mich kaum noch bewegen. Auf einer Bank in der Sonne sitzend zittern meine Beine, als wenn sie noch auf der Strecke wären. Ich bin voll zufrieden aber komplett im Eimer. Wie soll ich jetzt bitte noch zum Auto kommen. Das steht ja „nur“ einen Kilometer weit weg. Aktuell weis ich nicht mal wie ich die drei Meter zum Mülleimer komme. Michael kommt von der Seite und holt mir meine trockenen Sachen. Meine Hose klebt mit kristallisiertem Salz an meinen Beinen. Trockene Klamotten tun jetzt echt gut. Nach zwei Cola, zwei Dextro, 5 Orangen und einer Gemüsebrühe raffen wir uns auf zum Auto. Durch die Aula zur Strasse. Hier wartet der Endgegner, eine Treppe runter zur Straße. Die war mir heute morgen gar nicht aufgefallen. Jetzt quälen sich mehrere Teilnehmer in Zeitlupe und am-Geländer-festkrallend die Stufen hinunter. Selbst der Bordstein wird zur Herausforderung. Nach einiger Zeit kommen wir am Auto an und es geht nach Hause. Krasse Scheisse. Wer macht sowas freiwillig? Ach ja, ich. 

 

 

So far…
#keeponrunning

 

 

Porzer Winterlaufserie 2025

16.02.2025 Porzer Winterlaufserie 2025 II

 Lauf 3/3

 

Ein Blick aus dem Fenster zeigt: Es ist wieder Zeit für einen Run der Winterlaufserie. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, aber aufkommender Sonne, machte ich mich auf den Weg nach Porz zum Gut Leydenhausen. Pünktlich um 11:25 erfolgte der Startschuss. In der Hektik drückte ich irgendwie den falschen Knopf an der Garmin. Was steht denn jetzt im Display? Ich stolperte die ersten Meter durch die Menge und versuchte meine Uhr zu starten. Ah, endlich.  Jetzt geht es auch offiziell los. Was die Garmin nicht aufzeichnet ist halt nicht passiert. Der erste Kilometer ging mit 3:50m weg. Das war schon ganz schön schnell. Es bildete sich eine kleine Gruppe in die ich mich reingehangen habe. Das Tempo war recht konstant und so waren die ersten 5km nach 19:22m vorbei. Sollte es heute doch noch etwas mit einer Zeit unter 39 Minuten werden? 


Foto: Detlev Ackermann (link)

Auf der zweiten Runde habe ich mich auf den ersten zwei Kilometern etwas in den Windschatten gesetzt. Das Tempo war perfekt. An einem kleinen Anstieg merkte ich wie ich etwas schneller wurde und habe noch mal auf das Gaspedal gedrückt. No risk - no fun. Die lange Gerade zum Ziel zog sich wie Kaugummi. Noch einmal Konzentration in der 90 Grad links und die Beine kontrollieren bei dem kurzen Bergabstück. Die zweiten 5km gingen in 19:12 leicht progressiv vorbei. Am Ende stand eine 38:34m auf der Uhr. Mit der Zeit war ich mehr als zufrieden. Die Wintervorbereitung scheint also, entgegen dem Gefühl, nicht so schlecht gewesen zu sein. In sechs Wochen geht es in Bonn auf der halben Marathon Distanz weiter.

 

So far…
#keeponrunning

 

 

Porzer Winterlaufserie 2025

19.01.2025 Porzer Winterlaufserie I

Neues Jahr - neues Glück.

-4 Grad und gefrorener Reif beim Blick aus dem Fenster kündigen an: Es ist wieder Zeit für die Porzer Winterlaufserie. Bei Nebel und mittlerer Sicht habe ich erst mal Sony abgeholt, und es ging zum Gut Leydenhausen, um mal wieder dem Mief aus der Hütte zu blasen. 10 Kilometer mit Dampf standen auf dem Programm. In Porz war bestes Wetter. Hier hatte die Sonne den Nebel vertrieben und strahlte am blauen Firmament.

Aufgrund des großen Andrangs wurde der Start kurzfristig um 15 Minuten verschoben, weil noch nicht alle ihre Startnummern hatten. Um 12:15 ging es dann los. Mein Ziel war es, eine 40er Zeit zu laufen. Aufgrund des aktuellen Zustandes hatte ich diesbezüglich aber arge Zweifel.

Der erste Kilometer ist immer recht eng und es geht über Waldboden, so dass ich immer etwas Sorge um mein Sprunggelenk hatte. Danach wurde es aber etwas übersichtlicher und ich konnte mein Tempo ganz gut finden. Auf der Gegen(wind)gerade zurück zum Start habe ich mich dann an eine Gruppe gehangen, um etwas Kraft zu sparen. Die erste Runde ging bei 19:45m durch und ich war positiv überrascht. Mal sehen, ob die Kraft reicht.

Auf der zweiten Runde habe ich versucht das Tempo hoch zu halten, bei Kilometer 8-9 viel es aber zunehmend schwerer. Bei den Steigungen über die Bahn und zu Bundesstrasse habe ich den Speed etwas reduziert. Mein Oberschenkel flüsterte leise, dass er sonst wohl keinen Bock mehr hat und zu macht. Hintenraus habe ich dann nochmal etwas am Gas gedreht und so gingen die zweiten 5km in 19:46m rum. Mit den 39:30m über die 10 Kilometer war ich dann wirklich zufrieden. Deutlich besser als ich erwartet hatte.

So far…
#keeponrunning

 

 

Köln Marathon 2024

06.10.2024 Köln Marathon 2024

Am Sonntag stand der 26. Köln Marathon auf dem Programm. Nach dem gescheiterten SUB3 Versuch in Berlin letztes Jahr, wollte ich es dieses Jahr in Köln versuchen. Leider war die Laufform seit meiner Sprunggelenksverletzung Ende April nicht mehr wirklich wiedergekommen, da ich immer noch Probleme mit dem Fuß habe. Trotzdem stand der Termin ja bereits seit einem Jahr fest.

Ich machte mich also morgens auf den Weg in die Stadt. Neuerdings kann man die After Race Beutel nicht mehr am Start abgeben. Man muss extra vorher zum Ziel und dann von dort zum Start. Da finde ich für eine Veranstaltung dieser Größenordnung wirklich schwach. So musste ich etwa eine Stunde früher los und setzte mich in die Bahn, die ja direkt von mir zum Dom fährt.  Das Wetter war ganz gut angesagt, für meine Verhältnisse aber etwas zu kalt, so dass ich mir zum Start noch Handschuhe angezogen habe. Zehn Minuten vor dem Start bin ich in den Startblock und habe mich im vorderen Bereich platziert. Leichte Nervosität machte sich breit, sollte es heute doch klappen? Der Moderator zählt den Countdown runter, 10 – 9 – der Block und die Zuschauer steigen mit ein – 3 – 2 – 1 – Konfettikanone! Ich starte die Garmin, auf geht’s.

Über die Deutzer Brücke ist immer etwas Gedränge. Ich halte mich am Rand und laufe die Außenkurve. Danach geht’s zum Rhein runter. Die ersten beiden Kilometer gehen in 8 Minuten weg, etwas zu schnell. Ich nehme etwas Speed raus, obwohl ich relativ viel überholt werde – komisches Gefühl. Auf dem Weg nach Rodenkirchen komme ich in den Rhythmus. Die Zeiten ab hier liegen immer so zwischen 4:10 und 4:15, also genau im Plan. Im Wind versuche ich etwas Windschatten zu suchen, aber am Anfang des Rennens ist noch relativ viel Bewegung im Feld. km5 – 20:37m – läuft.

Nach der Wende in Rodenkirchen geht’s zurück in die Stadt. Leider immer noch Gegenwind, etwas seltsam. Vor der zweiten Verpflegungsstelle nehme ich mein erstes Gel. Gestern extra noch einen neuen Laufgürtel für die ganzen Gels besorgt, der ist ganz gut. Die nächsten 5km in 21:10m sind voll im Soll. Am Neumarkt vorbei geht’s zum ersten Mal am Rudolfplatz vorbei, hier ist echt viel los. Bei Kilometer 19 steht Helena mit den Jungs. Das ist das nächste Zwischenziel. Die dritten fünf Kilometer sind mit 21:08m zwei Sekunden schneller als die davor. Beine sind OK, aber nicht frisch. Mal schauen, was der Tag noch bringt. Die Handschuhe sind mit der Weile doch etwas zu warm. Ich biege in die Sülzburgstraße ein, wo wir den Treffpunkt für die Gelübergabe gemacht haben. Krass ist das voll hier. Nach 200 Metern entdecke ich Helena am Rand. Ich tausche die Handschuhe und die Sonnenbrille gegen vier neue Gels. Dahinter klatsche ich die Jungs ab. Es ist soviel los, dass die erst gar nicht registrieren, dass ich das war. Kurze Zeit später die Halbmarathonmarke: 1:28:50h. Den ganzen Scheiß jetzt nochmal – Uff. Es geht durch Lindenthal an meiner Heimat vorbei. Durch die Klosterstraße auf die Aachener und wieder Richtung Rudolfplatz. Neben mir meint einer: „Egal um welche Ecke man läuft, es ist immer Gegenwind“. Unfuckingfaßbar. Am Rudolfplatz geht’s jetzt richtig zur Sache. Die Menge tobt. Bis zum Ebertplatz sieht man nur Menschen. Danach geht’s nach Ehrenfeld. km25 – 1:45:37h – 4:13m/km. Alles OK. Auf der Venloer Straße ist der CGN Hot Spot. Die Strasse verengt sich auf zwei Meter. Die Menschen stehen in dreier, vierer Reihen, der Bass bebt. Konfettikanonen zünden, man kommt sich vor wie im Karnevalzug. Danach geht’s auf die Innere und es wird leerer. Es stellt sich eine gewisse Müdigkeit ein. Kilometer 28 ist der erste, der mit 4:22m leicht über Plan ist. Das war erst mal etwas überraschend, da es sich nicht langsamer angefühlt hat. Leider sind km29 und km30 genauso. Es macht sich ein ungutes Gefühl breit. Jetzt zu beschleunigen macht wohl keinen Sinn. Ich versuche mit gleichem Krafteinsatz weiterzulaufen, aber die Zeiten werden immer langsamer: 4:34 – 4:38 – 4:42 – 4:51 – 4:52. Bei Kilometer 30 ist mein knapper Vorsprung aufgebraucht und ich liege auf die Sekunde im Plan. Das Problem ist: dafür müsste ich die letzten 12km auch in 4:15m laufen, aber das ist derzeit außer Reichweite. Mit der Enttäuschung steigt auch der Schmerz in den Oberschenkeln. Jeder Schritt wird schwerer. Solange noch die vier vorne steht wird weitergelaufen. Kilometer 35 kommt nach weiteren 24:40m. Gut drei Minuten verloren.

 Die Runde durch Nippes ist brutal. Gerade auf der Amsterdammer ist relativ wenig los – außer der Wind – der ist immer da. Das Ziel ist mit der Weile komplett außer Reichweite. Ich laufe nur noch von Kilometer zu Kilometer. Eigentlich habe ich gar keinen Bock mehr, die Beine schon lang nicht mehr. Immer wieder bekomme ich einen stechenden Schmerz im rechten Sprunggelenk. Das kommt jeweils so plötzlich und intensiv, dass ich mich so gerade auf den Beinen halten kann. Auf dem Ring wird es wieder voller. Noch vier Kilometer. Ich höre ständig meinen Namen am Strassenrand. Obwohl ich jetzt öfters mal überholt werde, mache ich das gleiche mit vielen die nur noch gehen, oder sich dehnen. Der Marathon beginnt halt erst nach 30 Kilometer. Alles davor ist nur warmlaufen. Noch drei Kilometer. Der Rudolfplatz eskaliert. Die achten fünf Kilometer benötigen 24:33m. Nochmal gut drei Minuten verloren. Ich hoffe noch unter 3:10h ins Ziel zu kommen, aber der Schmerz in den Beinen wird unerträglich. Ich laufe durch das Tor der Kölner Haie und weis, dass es „nur“ noch 1000 Meter sind. Es geht auf die Hohe Straße und ich mobilisiere alles was noch das ist. Durch die Häuser sehe ich die Domspitzen näher kommen. Gleich ist es endlich vorbei.

 Die letzte Kurve – der rote Teppich vor mir. Ich fokussiere das Ziel, auf der Uhr läuft 3:07:xx. Die letzten Meter bin ich voll im Tunnel, Helena und die Jungs sind am Rand und brüllen was das Zeug hält. Ich bekomme davon aber nix mehr mit. Noch 50 Meter. Ich stolpere fast auf dem roten Teppich. Mein Gehirn läuft im Notbetrieb und denkt sich: „Der ist bestimmt schön weich, ich könnte mich ja jetzt hier hinlegen“ Noch 20 Meter. 10 Meter. Das Ziel. Endlich. 3:07:57h. Ich versuche das Tempo rauszunehmen, aber die Kontrolle über die Beine scheint mir zu entgleiten. Hinlegen, nie mehr aufstehen.

Nach ein paar Minuten torkel ich Richtung Verpflegungsdorf. Das ist dieses Jahr ganz schön weit weg.  Eigentlich habe ich kein Bedürfnis, etwas zu mir zu nehmen. Die Enttäuschung ist nicht so groß wie in Berlin, aber doch merklich. War wieder nicht gut genug für SUB3. Es tat trotzdem ganz schön weh.

 

Das wars für dieses Jahr. Ich muss mich echt fragen, ob ich mir den Scheiß noch einmal antue.

 

 

So far…
#keeponrunning

 

 

KölnTriathlon 2024

08.09.2024 KölnTriathlon 2024

Am Sonntag fand zum dritten Mal der KölnCityTriathlon statt. Bei dem Wettkampf im Herzen meiner Heimatstadt bin ich immer dabei. So war ich dieses Mal wieder für die olympische Distanz gemeldet, die in Köln immer etwas besonders ist. Geschwommen wird im Rhein, damit ist die Strecke etwas länger aber aufgrund der Strömungsgeschwindigkeit trotzdem schneller als üblich. Die Radstrecke hat mit 44 km ein paar Kilometer mehr, dafür spart man auf der Laufstrecke wieder ein paar Meter ein. 

Nachdem am Morgen die Mitteldistanzler gestartet waren, machte ich mich erst einmal auf den Weg in die Wechselzone mein Rad einchecken. Das Wetter hatte rechtzeitig aufgeklart und der Regen aufgehört, so dass ich auf einen trockenen Wettkampf hoffen konnte. Dann ging es erstmal die gut zwei Kilometer zum Start unter die Severinsbrücke. Als ich ankam, wurde gerade die ersten von fünf Startwellen auf die Reise geschickt. Die Stimmung am Ufer war gut. Mit der letzten Startgruppe bin ich dann auch endlich ins Wasser gegangen. Nachdem auf einer Trompete das Trömmelchen gespielt wurde hieß es: Drei, Zwei, Eins .....

Ich hatte mich am Start weit links eingeordnet, um möglichst schnell in die Strömung schwimmen zu können. Das hat auch ganz gut funktioniert. Ich kam schnell in meinen Rhytmus und kam nach kurzer Zeit unter der Deutzer Brücke vorbei. Beim Atmen nach links konnte ich die ganze Zeit den Dom sehen. Nach knapp zwanzig Minuten schwamm ich zum Ufer und kam als 88. von 1200 Starten aus dem Wasser. Das Rennen begann vielversprechend. 

Zwischenstand nach dem Schwimmen: AK45 - Platz 9/72 | Gesamt - Platz 88/1200

Ich kam gut gelaunt aus dem Wasser und sprintete in die Wechselzone. Zwei Minuten später saß ich auf meinem Rad und machte mich auf ein paar Plätze gut zu machen. Während auf dem ersten Kilometer noch viele in die Schuhe und on ihren Rhytmus kommen müssen, habe ich direkt ordentlich Druck aufs Pedal gegeben. Von der Deutzer Brücke runter und wieder auf die Severinsbrücke habe ich mit 260 Watt einen guten Wert gefunden und konnte viele Athleten überholen. Die meisten davon aus vorderen Startgruppen. 

Auf der ersten Runde hatte ich einen Schnitt von 39 km/h. Das lief doch ganz ordentlich. Auf der zweiten Runde versuchte ich das Tempo hoch zu halten und eventuell noch etwas draufzulegen. Die ständigen Überholmanöver auf der vollen Strecke und die vier 180 Grad Kehren pro Runde machten aber ein gleichmäßiges Fahren schwierig. Nach 35 km bekam ich auch ein leichtes Ziehen im hinteren Oberschenkel und überlegte kurz etwas rauszunehmen. Aber die Radzeit war so gut, ich wollte die 39 vorne halten. So kam ich nach 1:05 und einem Schnitt von 39,1 km/h in T2.

Zwischenstand nach dem Rad: AK45 - Platz 3/71 | Gesamt - Platz 19/1200

Wie immer fühlt sich das Laufen zum einen Superlangsam und zum Zweiten wie auf Eiern an. Hinzu kommt, dass ich nach dem Bänderriss Anfang des Jahres immer noch Probleme mit meinem Sprunggelenk habe und deswegen sehr behutsam über die Wiese raus aus T2 gelaufen bin. Der erste Kilometer geht in knapp über vier Minuten weg und ich denke mir, das passt. Die Sonne ist voll draußen, und die Strecke platz aus allen Nähten. Ich kämpfe mich durch die Massen, muss aber häufig abbremsen und dann zum Überholen wieder Gas geben. Das kostet zum einen Kraft und lässt mich zum anderen nicht richtig in einen Rhytmus kommen. Am schlimmsten ist es auf der Hohenzollernbrücke und auf dem Stück zum Dom, wo es gar keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Wieder zurück am Deutzer Bahnhof vorbei zum Rhein wird es etwas besser, aber ich muss ja noch eine zweite Runde absolvieren. Die neuen Schuhe, die ich zum ersten Mal im Wettkampf trage, beginnen auf meinen Spann zu drücken und schneiden dort leicht ein. Das ist etwas unangenehm, so dass ich kurz überlege die Zunge zu richten. Aber da es nur noch 4km sind möchte ich keine Zeit verschenken. Auf der weiten Runde kann ich noch etwas zulegen. Kilometer neun geht in 3:45 weg und ich sprinte Richtung Ziel. Nach 2:09:00 komme ich durch den Zielbogen und bin damit 5 Sekunden schneller als letztes Jahr.

Insgesamt war es ein Super Rennen. Ich bin voll zufrieden und es lief besser als erwartet.

Später erfahre ich das Ergebnis:

Zweiter in der AK45
(von 71)

12. in der Gesamtwertung
(von 1200)

Noch vier Wochen bis zum Köln Marathon...

so far
#keeponrunning